Psychologie ist die „Mutterwissenschaft“ der Psychotherapie

Wissenschaftsrat legt Empfehlungen zu den Perspektiven der Psychologie vor

Gemeinsame Pressemitteilung der Deutschen Gesellschaft für Psychologie und des Fakultätentags Psychologie

Der Wissenschaftsrat hat am 29. Januar 2018 Empfehlungen zur Zukunft des Faches Psychologie veröffentlicht. Einen Schwerpunkt bildet die geplante Reform der Psychotherapeutenausbildung. Der Wissenschaftsrat sieht die akademische Psychologie als „Mutterwissenschaft“ der Psychotherapie. Deshalb sollen Psychologische Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten in einem ersten Studienabschnitt (einem Bachelor-Studium) das Fach Psychologie in seiner gesamten Breite kennenlernen und dabei die Grundlagen, Methoden und Anwendungsfächer der Psychologie studieren. Anschließend sollen in einem zweiten Studienabschnitt praktische und wissenschaftliche Fertigkeiten in den Bereichen Klinische Psychologie und Psychotherapie in einem spezialisierten Master-Programm erworben werden. „Wir begrüßen es sehr, dass der Wissenschaftsrat anregt, die Psychotherapie-Ausbildung an die Strukturen anderer selbstständiger akademischer Heilberufe wie Medizin und Zahnmedizin anzugleichen“ sagt Conny Antoni, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Psychologie.

Besondere Anforderungen an Ausbildungsstätten

Als Ausbildungsstätten für ein solches konsekutives Studium kommen laut Wissenschaftsrat ausschließlich Hochschulen in Frage, die neben einer Praxisausbildung (zum Beispiel in angegliederten Hochschulambulanzen) auch höchsten Ansprüchen genügende Forschung im Bereich Psychotherapie sowie den damit assoziierten Grundlagen- und Anwendungsfächern nachweisen können. „Dieser Schritt ist eine notwendige Konsequenz aus den aktuellen Diskussionen zur Qualitätssicherung“, sagt Conny Antoni. „Die Stärke der universitären Ausbildung im Fach Psychologie liegt in der Trias von Forschung, Lehre und Praxis. Hiervon wird auch die Psychotherapieausbildung in hohem Maße profitieren.“

Psychotherapie braucht Therapieforschung

Der Wissenschaftsrat mahnt in seiner Stellungnahme auch eine bessere Vernetzung der praktischen Ausbildung mit wissenschaftlichen Inhalten an. Während die bisherige Psychotherapie-Ausbildung weitgehend selbstfinanziert an privaten Instituten erfolgte, soll sie nun stärker an die Hochschulen angebunden werden. „Nur dadurch ist eine enge Vernetzung der praktischen Ausbildung mit aktuellsten wissenschaftlichen Entwicklungen möglich. Psychotherapie braucht eine lebendige und sich weiter entwickelnde Therapieforschung“, sagt Markus Bühner, Vorsitzender des Fakultätentags Psychologie, und ergänzt: „Diese Forschung leisten bislang primär die Universitäten.“

Kontakt bei Rückfragen:
Prof. Dr. Conny H. Antoni
Präsident der Deutschen Gesellschaft für Psychologie
Professor für Arbeits-, Betriebs- und Organisationspsychologie
Universität Trier
E-Mail: antoni@uni-trier.de

Prof. Dr. Markus Bühner
Vorsitzender des Fakultätentags Psychologie
Lehrstuhl für psychologische Methodenlehre und Diagnostik
Ludwig-Maximilians-Universität München
E-Mail: buehner@lmu.de

Pressestelle der DGPs:
Dr. Anne Klostermann
Pressereferentin
Tel.: 030 280 47718
E-Mail: pressestelle@dgps.de

Über die DGPs:
Die Deutsche Gesellschaft für Psychologie (DGPs e.V.) ist eine Vereinigung der in Forschung und Lehre tätigen Psychologinnen und Psychologen. Die über 4400 Mitglieder erforschen das Erleben und Verhalten des Menschen. Sie publizieren, lehren und beziehen Stellung in der Welt der Universitäten, in der Forschung, der Politik und im Alltag.
Die Pressestelle der DGPs informiert die Öffentlichkeit über Beiträge der Psychologie zu gesellschaftlich relevanten Themen. Darüber hinaus stellt die DGPs Journalisten eine Datenbank von Experten für unterschiedliche Fachgebiete zur Verfügung, die Auskunft zu spezifischen Fragestellungen geben können.
Wollen Sie mehr über uns erfahren? Besuchen Sie die DGPs im Internet: www.dgps.de