App basiertes Gesundheitsangebot der TK in der Kritik

Scharfe Kritik an einem neuen Gesundheitsangebot der Techniker Kranken­kasse (TK) haben der Hartmannbund (HB) und der NAV-Virchowbund geübt. Die Krankenkasse hatte gestern ihre Pläne dargelegt, Versicherten eine Gesundheits-App namens „ADA“ anzubieten und diese nach Diagnosestellung von Ärzten im TK-eigenen Ärztezentrum zu beraten.

„Diese Form von Einmischung einer Krankenkasse in das individuelle Arzt-Patienten-Verhältnis ist für uns eine klare Grenzüberschreitung“, sagte der HB-Vorsitzende Klaus Reinhardt. Die Kommunikation zwischen Krankenkasse und Versichertem habe sich im Kern auf Fragen zu beschränken, die das bilaterale Versichertenverhältnis beträfen. „Das Gesundheitssystem gerät in Schieflage, wenn den Kollegen in der Niederlassung oder der Klinik am Ende die Rolle des Zweitmeinungs-Lieferanten bleibt. Das ist mit uns nicht zu machen“, sagte er.

Auch der NAV betonte die Bedeutung des individuellen Arzt-Patienten-Verhältnisses. „Wichtig ist, dass am Ende dieser Angebote immer ein Vertragsarzt steht. Das erwarte ich auch vom neuen Angebot der TK. Ansonsten ist das faktisch die Kündigung der Kollektivverträge und die Übernahme des Sicherstellungsauftrages durch die Krankenkassen“, sagte der Bundesvorsitzende des Verbandes, Dirk Heinrich. „Telemedizin durch kasseneigene Ärzte sehen wir sehr kritisch“, betonte er. Wenn der Kostenträger selbst behandelten, verändere sich die Versorgung zu Lasten der Patienten. „Das kann nichts werden“, so Heinrich.

Das neue Angebot der TK sieht vor, dass eine Smartphone oder Tablet-Applikation (App) namens „ADA“ Symptome der anfragenden Patienten einordnet. Die Beschwerden des Patienten werden dabei anhand eines Frage­bogens zu einer wahrscheinlichen Diagnose verarbeitet. Ein künstliche Intelligenz, die im Hintergrund läuft, soll ADA im Zeitverlauf immer besser und genauer machen.

Bei Bedarf können die Patienten nach der Arbeit mit der App per Video oder Sprachchat einen Arzt der TK kontaktieren. „Mit dem digitalen Symptomcheck und anschließendem Arzt-Chat geben wir bereits heute einen Ausblick darauf, wie Versorgung in der Zukunft aussehen kann“, sagte der TK-Chef Jens Baas vor Journalisten in Berlin.