Schüler bewegen Landtag in Bayern zu mehr Einsatz gegen Depressionen in Schulen

Mitten im Prüfungsstress ist es einer Gruppe engagierter Abiturienten gelun­gen, dass psychischen Krankheiten in den Schulen künftig mehr Aufmerksamkeit ge­schenkt wird. Die Schüler hatten eine – rechtlich nicht bindende – Petition initiiert, die heute im Bildungsausschuss des Landtages ungewöhnlich lange diskutiert und dann zur Würdigung an die Staatsregierung überwiesen wurde – ein ziemlich seltener Schritt, der bedeutet, dass sich die Staatsregierung nun detailliert mit dem Anliegen befassen muss.

„Das ist dem überragenden Engagement der jungen Leute zu verdanken“, bilanzierte der Berichterstatter im Ausschuss, Max Deisenhofer (Grüne). Der ausgebildete Lehrer sieht einen wunden Punkt getroffen. „Wir brauchen mehr Wissen zum Thema Depression und psychische Erkrankungen, und wir brauchen eine Sensibilisierung bei den Schülern und Mitschülern, aber auch bei den Lehrerinnen und Lehrern“, sagte er.

Bayerns Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler) sprach von einem guten Anstoß. Allerdings setze das Ministerium nicht bei Null an; zudem hatte es schon im Vorfeld der Sitzung einen Zehn-Punkte-Plan veröffentlicht. „Nun geht es darum, dass wir nochmal deutlich machen, was dieser Maßnahmenkatalog alles beinhaltet und konkret bedeutet“, sagte er.

So sollten psychische Erkrankungen wie Depressionen und Angststörungen in der Leh­rer­ausbildung eine größere Rolle spielen. Auch ältere Lehrer würden gezielt informiert. Im kommenden Doppelhaushalt soll zudem Geld für 100 weitere Schulpsychologen und Sozialpädagogen zur Verfügung gestellt werden – ein Schritt, der allerdings schon länger geplant gewesen sei, wie Piazolo betonte.

Die Schüler sind mit dem Ergebnis zufrieden. „Wir sind schon stolz, dass man jetzt wirk­lich was macht“, sagte Alexander Spöri. Er und seine Mitstreiter hatten zunächst einen Film über Depressionen bei Jugendlichen gedreht und dann die Onlinepetition gestartet. Diese wurde inzwischen von mehr als 42.000 Menschen unterschrieben.

Die Kaufmännische Krankenkasse KKH hat auf Basis ihrer Versichertendaten errechnet, dass 2017 in Deutschland rund 1,1 Millionen Kinder und Jugendliche zwischen sechs und 18 Jahren von psychischen Erkrankungen ohne organische Ursache betroffen waren. Grün­de seien permanenter Leistungsdruck in der Schule, Mobbing sowie gesellschaftli­cher Druck durch Medien, Idole und Influencer.