Stiftung Warentest prüft Onlineprogramme bei psychischen Erkrankungen

Einige Onlineprogramme gegen Depressionen können Betroffenen helfen. Dieses Urteil trifft die Stiftung Warentest, die für ihre Zeitschrift Test acht Angebote prüfte und vier davon als empfehlenswert einstufte. Sie überzeugten demnach beim Konzept, auch Studien hätten die Wirksamkeit der Programme belegt.

Drei weitere Onlineangebote sind demnach „eingeschränkt em­pfehlenswert“. Für ein Programm einer großen Krankenkasse gab es keine Bewer­tung, weil die Tester nach eigenen Angaben keinen Zugang für die Untersuchung bekamen. Die Testergebnisse wurden in der aktuellen Juli-Ausgabe der Zeitschrift Test und on­line unter www.test.de/online-psychotherapie veröffentlicht.

Onlineprogramme gegen Depressionen bieten oft mehrere Module an, die Anwender ein- bis zweimal pro Woche bearbeiten. Viele Programme stützen sich stark auf die kognitive Verhaltenstherapie. Die Bearbeitung geschieht größtenteils schriftlich, aber auch über interaktive Elemente wie Videos. Nutzer werden häufig direkt angespro­chen, bekommen Hintergrundinformationen und Fragen.

Nach Angaben der Stiftung Warentest prüften zwei psycho­therapeutische Gutachter die Angebote unter anderem in Anlehnung an Qualitäts­kriterien der Deutschen Gesell­schaft für Psycho­logie, der Deutschen Gesell­schaft für Psychiatrie und Psycho­thera­pie, Psycho­somatik und Nervenheil­kunde, des Berufs­verbandes Deutscher Psycho­loginnen und Psycho­logen und der Bundes­psychotherapeutenkammer.

Wichtig sei bei der Prüfung auch gewesen, ob die Programme auf wissenschaftlich anerkannten Verfahren beruhen, ob Inhalte und Einsatz­gebiete (wie Symptome und Schweregrad) trans­parent benannt werden und wie die Entwickler qualifiziert sind.

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Die Gutachter berück­sichtigten nach Angaben der Stiftung auch Aspekte der Patien­tensicherheit, etwa ob Anbieter zu den Grenzen und Risiken der Programme informie­ren. Zu diesem Prüf­punkt zähle auch, ob es Mecha­nismen wie regel­mäßig auszufüll­en­de Fragebögen gibt, um psychische Krisen früh­zeitig zu erkennen – und ob dann klare Hinweise erfolgen, wie Betroffene schnell persönliche Hilfe finden. Auch weitere Aspekte wie Finanzierung, Nutzer­einbindung und -freundlich­keit seien in das Urteil eingeflossen.

Die Stiftung Warentest weist explizit darauf hin, dass die meisten Angebote nicht für schwere Depressionen gedacht sind. Auch für die genaue Diagnose seien Ärzte und Psychotherapeuten vor Ort wichtig.

Die Bundesvorsitzende der Deutschen Psychotherapeutenvereinigung Barbara Lu­bisch findet grundsätzlich gut, dass die Stiftung Warentest Online-Programme bei psychischen Erkrankungen nach transparenten Kriterien bewertet. Denn in diesem Bereich gebe es „viel Selbstgestricktes, was absolut nicht empfehlenswert ist“.

Indikation müssen Ärzte und Psychotherapeuten stellen

Sehr wichtig sei allerdings, dass Ärzte und Psychotherapeuten eine Indikation für sol­che Onlineprogramme stellten. Wenn Krankenkassen ohne eine solche Indikation für die Programme zahlten, oder sie gar offensiv anböten, sei dies nicht in Ordnung.

„Da maßen sich Krankenkassen an, über die Behandlung von beispielsweise Patien­ten mit Depressionen zu entscheiden – das geht nicht“, erklärt die Psychotherapeutin. Sie wehre sich auch dagegen, dass Onlineprogramme als Psychotherapie bezeich­net würden, denn Therapie sei die Behandlung von krankheitswertigen Störungen.

Grundsätzlich kann sich die DPtV-Vorsitzende die Verwendung von Onlineinterventio­nen begleitend zur Psychotherapie vorstellen, beispielsweise über eine Verordnung als Hilfsmittel. Auch sollten Ärzte und Psychotherapeuten ihren Patienten Onlinein­ter­ventionen als niederschwellige Maßnahme empfehlen können, „wenn sie sie vorher gesehen haben“, so Lubisch.