Internetrecherche zu Krankheitssymptomen verunsichert viele Patienten

Ausgedehnte Internetrecherchen zu ihren Krankheitssymptomen können bei Patienten Ängste auslösen, die sich langfristig verfestigen. Der Umgang mit einer solchen „Cyberchondrie“ stellt eine besondere Herausforderung für den Arzt dar. Das berichten Wissenschaftler um Julian Wangler vom Zentrum für Allgemeinmedizin und Geriatrie der Universitätsmedizin Mainz in der Zeitschrift DMW Deutsche Medizini­sche Wochenschrift (doi 10.1055/a-0842-8285).

Die Forscher haben für ihre Studie zwischen dem 20. April und 20. Juni 2018 844 Allgemeinmediziner und hausärztlich tätige Internisten in Südhessen und zusätzlich in den Landkreisen Gießen, Marburg-Biedenkopf, Kassel und der kreisfreien Stadt Kassel schriftlich befragt. Sie wollten von den Hausärzten wissen, ob und wie häufig Patienten in der Sprechstunde Erstdiagnosen aus dem Internet thematisieren.

Zwei Drittel der Mediziner gaben an, dass sie häufig damit konfrontiert seien. Patien­ten kämen bereits mit Informationen zu den Symptomen ihrer möglichen Erkrankung in die Praxis und hätten sich bereits über Therapien Gedanken gemacht. Die Ärzte hatten den Eindruck, dass die Patienten durch die vorherige Internetsuche eher ver­wirrt oder verunsichert werden (84 Prozent) und nervöser und ängstlicher wirken (74 Prozent).

Dass die Patienten gut informiert sind und daher den Arzt besser verstehen (29 Pro­zent) oder bei Beschwerden rechtzeitiger in die Praxis kommen (16 Prozent), ist nach Einschätzung der Allgemeinmediziner seltener der Fall. Nur sechs Prozent der Ärzte gaben an, dass die Patienten sich nach einer Internet-Recherche sicherer fühlten und nur vier Prozent der Mediziner erklärten, dass sie dann vernünftiger handelten.

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62 Prozent der Hausärzte beklagten, dass die Patienten mit falschen Erwartungen in die Praxis kämen. 46 Prozent vermuten, dass ihre Diagnose zuhause via Internet überprüft werde. 41 Prozent der Mediziner befürchten, dass das Internet die Patienten dazu bewege, andere als die verordneten Medikamente einzunehmen. 39 Prozent mutmaßen, dass die verordneten Medikamente infolgedessen nicht eingenommen werden.

Die Umfrage zeigt außerdem, dass eine Internetrecherche den Gesprächsbedarf seitens der Patienten erhöht: 74 Prozent der Ärzte sagten, dass die Patienten mehr Fragen stellen, 64 Prozent sahen sich zunehmender Kritik gegenüber, 32 Prozent empfanden die Patienten als konfliktbereiter. Jeder fünfte Arzt (18  Prozent) hat bereits den Abbruch eines Betreuungsverhältnisses aufgrund ausgeuferter Internetrecher­chen des Patienten erlebt.

„Es erscheint ratsam, die Online-Informationssuche aktiv im Patientengespräch zu thematisieren, um möglichen negativen Auswirkungen auf das Arzt-Patient-Verhältnis vorzubeugen. Entsprechend wäre darüber nachzudenken, die Anamnese um die Dimension der Online-Informationssuche zu erweitern“, so die Schlussfolgerung der Wissenschaftler.