Kognitive Verhaltenstherapie lindert Computerspielsucht

Jungen Menschen, bei denen das Spielen am Computer und im Internet zur Sucht geworden ist, kann durch eine kognitive Verhaltenstherapie geholfen werden, die Psychologen der Universität Mainz entwickelt haben. Die 15-wöchige ambulante Therapie hat in einer randomisierten klinischen Studie in JAMA Psychiatry(2019; doi: 10.1001/jamapsychiatry.2019.1676) 2/3 der betroffenen Männer geholfen, ihr problematisches Spielen einzuschränken.

Untersuchungen zeigen, dass zwischen 3 und 6 % der Spieler von einer „Internet Gaming Disorder“ betroffen sind. Zu den Diagnosekriterien gehören die ständige gedankliche Beschäftigung mit dem Spielen, Entzugssymptome, eine Toleranzent­wicklung und das fortgesetzte Spielen trotz negativer Konsequenzen wie Angststö­rungen oder der Verlust von Freunden und Arbeitsplatz.

Die „Internet Gaming Disorder“ wurde 2013 in den Diagnosekatalog DSM-5 der American Psychiatric Association aufgenommen. Seit kurzem wird die Störung auch im ICD 11 der Welt­gesund­heits­organi­sation aufgeführt.

Ein Team um den Psychologen Klaus Wölfling von der Ambulanz für Spielsucht an der Universitätsmedizin Mainz hat speziell für Patienten mit Computerspielabhängigkeit die STICA-Therapie (short-term treatment for internet and computer game addiction) entwickelt.

Sie basiert auf den Grundsätzen der kognitiven Verhaltenstherapie, die der ersten Phase das Problembewusstsein fördert und über die Zusammenhänge der Spielsucht informiert. In der zweiten Phase geht es darum, die Trigger zu identifizieren, die zum Spielen verleiten, und ein Konzept für eine Verhaltensänderung zu finden, zu der eine vorübergehende komplette Abstinenz gehört. Die dritte Phase dient der Stabilisierung und der Rückfallprophylaxe.

STICA-Therapie hilft besser als keine Therapie

Die Effektivität der Behandlung wurde an 4 Zentren (Mainz, Mannheim, Tübingen und Wien) an 143 Patienten (alle männlich) untersucht. Die Hälfte der Patienten nahm an der 13-wöchigen ambulanten STICA-Therapie teil, die anderen wurden auf eine Warteliste für eine spätere Therapie gesetzt.

Primärer Endpunkt war eine Remission der Spielsucht, die mit dem „AICA S“-Frage­bogen ermittelt wurde. Der Fragebogen erkundigt sich nach der Häufigkeit von 8 Inter­netaktivitäten (neben Spielen auch Pornografie und soziale Medien), wobei ein Score von 13 Punkten oder mehr ein abhängiges Verhalten anzeigt.

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Eine Remission erzielten 50 von 72 Männern (69,4 %), gegenüber 17 von 71 Männern (23,9 %) in der Wartegruppe. Wölfling ermittelte eine Odds Ratio von 10,10, die mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 3,69 bis 27,65 signifikant war. Die Behandlung war damit effektiv. Die Patienten verbrachten auch an den Wochenenden weniger Zeit im Internet, mehr Zeit mit ihren Mitmenschen, und auch die depressiven Symptome hatten sich gebessert – wenn auch nicht bei allen Teilnehmern.

Internetentzug führte häufig zu depressiven Gefühlen

Wölfling berichtet in der Publikation, dass es schwierig war, die oft wenig selbstbe­wussten und negativ eingestellten Patienten für die Therapie zu motivieren. Der kom­plette Internetentzug löste häufig depressive Gefühle aus, einige mussten deshalb sogar stationär behandelt werden.

Das Onlineverbot könne bei einigen Patienten zu einer emotionalen Destabilisierung führen, schreibt Wölfling. Viele Patienten würden hier eine zusätzliche Unterstützung benötigen. In zukünftigen Studien soll die Psychotherapie deshalb um eine medika­men­­­töse Therapie ergänzt werden.