Labortest erkennt posttraumatische Belastungsstörung

Ein Test aus 27 Laborwerten und der Herzfrequenz hat in einer Studie in Molecular Psychiatry (2019; doi: 10.1038/s41380-019-0496-z) die Diagnose einer post­traumatischen Belastungsstörung (PTBS) mit einer Genauigkeit von 77 % gestellt. Es wäre der erste Biomarker-Test für eine psychiatrische Erkrankung.

Die PTBS ist Folge von traumatischen Erlebnissen, die in der Regel mit einer starken kör­perlichen Stressreaktion verbunden waren. Auch die unkontrollierbaren Erinnerungen, die Vermeidungssymptome und die emotionalen Störungen, die die spätere PTBS kennzeich­nen, könnten zu körperlichen Reaktionen führen, die mit Labortests nachweisbar sein sollten.

Bislang war es allerdings nicht gelungen, einen Test zu entwickeln, mit dem Patienten mit PTBS von anderen Menschen unterschieden werden könnten. Ein Team um Frank Doyle von der John A. Paulson School of Engineering and Applied Sciences in Boston hat sich deshalb zu einen „Rundumschlag“ entschieden.

Bei 83 Menschen, die im Krieg im Irak oder Afghanistan eine PTBS erlitten hatten, und in einer Kontrollgruppe von 82 Soldaten ohne traumatische Erlebnisse wurden alle verfüg­ba­ren Labortests durchgeführt. Darunter waren auch Genanalysen sowie zahlreiche Be­standsaufnahmen von Methylom, Proteom, Metabolom, Immunsystem sowie Marker der Zellalterung und des endokrinen Systems, microRNA, Zytokine und vieles mehr.

Bei 343 Markern wurden Unterschiede zwischen den beiden Gruppen gefunden, von de­nen 27 und die Bestimmung der Herzfrequenz für die zweite Phase der Studie ausge­wählt wurden. Dieses Mal wurden 26 PTBS-Patienten und 26 Kontrollen ausgewählt. Der Test erzielte in einer ROC-Analyse einen AUC-Wert von 0,80, was ein passables Ergebnis ist (1,0 wäre die sichere Diagnose, 0,50 ein Zufallsbefund gewesen). Die Genauigkeit betrug 81 %, die Sensitivität 85 % und die Spezifität 77 %.

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Interessant ist ein Blick auf die einzelnen Biomarker. Einige, wie ein Anstieg der Herz­frequenz oder eine verminderte Konzentration von Gerinnungsfaktoren, waren laut Doyle bereits in früheren Studien mit der PTBS in Verbindung gebracht worden.

Andere Marker wie Thrombozytenvolumen, Insulinresistenz sowie Veränderungen im SHANK2-Gen und in der PDE9A-Expression waren auch bei Patienten mit Major Depressi­on oder Angstzuständen erhöht (ohne allerdings eine Diagnose zu ermöglichen).

Einige miRNA, kurze RNA-Moleküle, die die Ablesung von Genen in den Zellen beeinfluss­en, waren in früheren Untersuchungen mit Erkrankungen von Herz (miR133-3p) und Le­ber (miR-192) oder einem metabolischen Syndrom (miR-192-5p) in Verbindung gebracht worden. Dies deutet darauf hin, dass das PTBS auch außerhalb des Gehirns Schäden ver­ursacht.