Verbände monieren Vorzug der Kurzzeit-Psychotherapie

Änderungsanträge zur Reform der Psychotherapeutenausbildung sorgen für massiven Unmut bei Fachverbänden. So sei die Bevorzugung der Kurzzeittherapie „ethisch nicht vertretbar“, schreiben sie.

Kurzfristig noch in die Reform der Psychotherapeutenausbildung gedrückte Änderungen sorgen für Unmut bei den psychoanalytischen Fachverbänden. Es sei „ethisch nicht vertretbar“, dass die Koalition plane, dass Kurzzeittherapien gegenüber aufwändigeren Behandlungen bevorzugt werden sollen, heißt es in einer am Montagabend verbreiteten gemeinsamen Pressemitteilung verschiedener Fachverbände*. Das Gesetz soll bereits am Donnerstag abschließend im Bundestag beraten und beschlossen werden.

Die Kritik der Verbände entzündet sich an zwei der am 18. September beschlossenen Änderungsanträge, die der „Ärzte Zeitung“ vorliegen. So sollen die Manteltarifpartner im einheitlichen Bewertungsmaßstab (EBM) binnen drei Monaten nach Inkrafttreten des Gesetzes einen Zuschlag von 15 Prozent auf psychotherapeutische Leistungen vereinbaren, die im ersten Therapieblock einer Kurzzeittherapie erbracht werden.

Ausdrücklich begründen die Koalitionäre dies als Anreiz, Psychotherapeuten mit einer Mindestsprechstundenzeit von 25 Wochenstunden einen Anreiz zu geben, anstelle von Langzeittherapien mehr Patienten zu behandeln, die einer neuen Kurzzeittherapie bedürfen.

Der Anreiz, in kurzer Zeit mehr Patienten zu behandeln, widerspreche den Intentionen, die Versorgung von Patienten mit chronifizierten psychischen Erkrankungen zu verbessern, die in der Regel länger behandelt werden müssten, monieren die Verbände. Die Versorgung müsse den Patienten vielmehr „indikationsbezogen zur Verfügung stehen und dürfe nicht durch weitere Kommerzialisierung aufs Spiel gesetzt werden“, heißt es in der Mitteilung.

Steine des Anstoßes sind auch die Ansätze der Koalition, die Gruppentherapie zu fördern und dafür das Gutachterverfahren abzuschaffen. Zuvor soll der Gemeinsame Bundesausschuss bis 31. Dezember 2020 einrichtungsübergreifende und sektorspezifische Qualitätssicherungsverfahren für die ambulante psychotherapeutische Versorgung entwickeln. Die Gutachterverfahren werden seit vielen Jahren kontrovers diskutiert.

Nach einem Wegfall der Gutachterverfahren würden Langzeittherapien künftig einer für die Patienten unklaren und für sie nicht nachvollziehbaren Qualitätsprüfung unterliegen, bemerken dazu die Verbände. Zudem unterlaufe der Gesetzgeber damit die Regelungskompetenz der Gemeinsamen Selbstverwaltung.

Therapy conversation with the psychologist