Psychische Erkrankungen und Suizide nach Adipositas-Chirurgie häufig

Jeder 6. adipöse Patient, der sich in Westaustralien einer bariatrischen Ope­ration unterzog, war wegen psychiatrischer Erkrankungen in Behandlung. Die psychi­schen Probleme haben sich einer Studie in JAMA Psychiatry (2019; doi: 10.1001/jamapsychiatry.2019.2741) zufolge nach der Operation häufig verschärft. Die Behandlung könnte das Suizidrisiko erhöht haben.

Fettleibige Menschen leiden häufig psychisch unter ihren Gewichtsproblemen. Die Adipositas greift das Selbstwertgefühl an und sie ist nicht selten Anlass für Depressionen. Soziale Ausgrenzung und Diskriminierung fördern die psychische Morbidität. Auf der anderen Seite kann Übergewicht aber auch Folge einer psychiatrischen Erkrankung sein. Viele Psychopharmaka fördern die Gewichtszunahme.

Eine bariatrische Operation ist offenbar keine Patentlösung für die psychischen Probleme. Die Patienten verlieren zwar deutlich an Gewicht, es kann aber auch die Lebensfreude verloren gehen. Frühere Studien hatten bereits gezeigt, dass die Suizidrate nach einer bariatrischen Operation erhöht sein kann.

David Morga von St John of God Subiaco Hospital in Perth und Mitarbeiter haben die Zusammenhänge in einer Kohortenstudie an 24.766 Patienten untersucht, die sich in West-Australien in den Jahren 2007 bis 2016 einer bariatrischen Operation unterzogen hatten. Über die „Western Australian Department of Health Data Linkage Branch“, die die Daten aus verschiedenen Patientenregistern zusammenfasst, entnahmen die Forscher, dass nicht weniger als 3.976 Patienten sich im gleichen Zeitraum in psychiatrischer Behandlung befanden. Das sind 16,7 % aller operierten Patienten oder in etwa jeder 6. Die psychia­trische Komorbidität der Adipositas ist demnach hoch. Und die Behandlung könnte ihren Anteil daran haben.

Von den 3.976 Patienten waren 1.401 Patienten (35,2 %) nur vor der Operation, 1.025 (25,8 %) vor und nach der Operation und 1.550 Patienten (39,0 %) nur nach der Operation in psychiatrischer Behandlung.

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Laut Morga verdoppelte sich nach der bariatrischen Operation die Häufigkeit vom ambulanten Behandlungen wegen psychiatrischer Erkrankungen (Inzidenzrate IRR 2,3; 95-%-Konfidenzintervall 2,3 bis 2,4) und es kam 3-mal so häufig zu Besuchen in Notfallambulanzen (IRR 3,0; 2,8 bis 3,2) oder zu psychiatrischen Kranken­haus­auf­enthalten (IRR 3,0; 2,8 bis 3,1). Die Zahl der absichtlichen Selbstverletzungen verfünffachte sich (IRR 4,7; 3,8 bis 5,7).

Nicht weniger als 25 von 261 Todesfällen (9,6 %), zu denen es nach den Operation kam, waren auf Suizide zurückzuführen. Morga rät Chirurgen dringend, die Patienten nicht ohne vorherige psychiatrische Untersuchung zu operieren. Im Erkrankungsfall müssten die Patienten zunächst psychiatrisch betreut werden. Aber auch in der Zeit nach der Operation würden viele Patienten eine psychologische Unterstützung benötigen.