Keine Belege für Nutzen von EMDR-Training bei Angststörungen

Das Eye Movement Desensitization and Reprocessing (EMDR) wird bislang haupt­sächlich in der Traumatherapie eingesetzt. Belastbare Belege dafür, dass es auch Patien­ten mit Angststörungen hilft, gibt es aber nicht.

Zu diesem Ergebnis kommt eine inter­disziplinäre Arbeitsgruppe der Universität Witten/­Herdecke und der Fernuniversität Ha­gen im Auftrag des Instituts für Qualität und Wirt­schaft­lichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG).

Beim EMDR sollen traumatische Ereignisse mit Hilfe der Aktivierung beider Gehirnhälften aufgearbeitet werden, zum Beispiel durch das Verfolgen eines hin- und herbewegten Fin­gers mit den Augen.

Die Wissenschaftler fanden 22 für die Fragestellung relevante Studien. Wegen „ausge­präg­ter methodischer Mängel dieser Studien“ konnten sie daraus aber keinen Anhalts­punkt für einen Nutzen der EMDR-Behandlung bei Angststörungen im Vergleich zu etablierten Therapieverfahren oder auch im Vergleich zu keiner Behandlung ableiten.

Dies gilt für die patientenrelevanten Endpunkte Angst, Depression, angstspezifische Effekte wie Vermeidungsverhalten oder körperliche Symptome, gesundheitsbezogene Lebens­qualität und psychosoziale Aspekte.

Methodisch schlecht waren die Studien laut den Wissenschaftlern unter anderem wegen ungeeigneten Vergleichsgruppen, zu kurzer Nachbeobachtung nach der Intervention oder mangelhaften Aussagen zur Randomisie­rung. Geeignete Studien zur gesundheitsöko­no­mischen Bewertung des Verfahrens bei Angststörungen fehlen laut den Wissenschaftlern ebenfalls.

zum Thema

Die Analyse erfolgte im Rahmen des Themencheck Medizin. Die Fragestellungen für die daraus entstehenden Health-Technology Assessments (HTA) gehen auf Vorschläge von Bürgern zurück.

Das IQWiG ruft nun Fachkreise und alle Interessierten auf, bis zum 4. November Stellung­nahmen zu dem vorläufigen HTA-Bericht zu dem EMDR-Training bei Angststörungen ab­zugeben. Diese werden ausgewertet und gegebenenfalls in einer mündlichen Anhörung mit den Stellungnehmenden diskutiert.

Danach wird eine Endfassung des HTA-Berichtes erstellt. Außerdem schreiben die Auto­ren eine allgemein verständliche Version (HTA kompakt), und das IQWiG ergänzt das Pa­ket um einen Herausgeberkommentar.