Bundeswehr: Einsatzbedingte psychische Erkrankungen weiterhin hoch

Die Anzahl der Soldaten, die sich wegen einer einsatzbedingten psychischen Erkrankung erstmals in fachärztliche oder psychotherapeutische Behandlung begeben haben, bewegt sich weiterhin auf hohem Niveau. Das geht aus dem 61. Jahresbericht des Wehrbeauftragten des Bundestages hervor, der heute in Berlin vorgestellt wurde.

„Gerne würde ich über durchgreifende Verbesserungen der Bedingungen für den Dienst berichten, aber eine Trendwende ist noch nicht spürbar“, sagte Hans-Peter Bartels (SPD) zur allgemeinen Situation der Bundeswehr. Die Soldaten trugen immer wieder die glei­chen Sorgen vor: zu wenig Material, zu wenig Personal und zu viel Bürokratie.

Im Jahr 2019 litten dem Jahresbericht zufolge 982 Soldaten an einer einsatzbedingten psychischen Erkrankung. Die Zahl hat von 784 in 2017 über 867 in 2018 kontinuierlich zugenommen. Entsprechend stieg auch die Zahl der Neuerkrankungen von 274 in 2017 über 279 in 2018 auf 290 im Jahr 2019.

Die Zahlen zeigten, dass sich einsatzbedingte psychische Erkrankungen nicht kurzfristig therapieren lassen, sich eine Behandlung in der Regel über Jahre hinziehe. „Zu berück­sich­tigen ist auch, dass Traumatisierte oft erst mit mehrjähriger Verspätung in die Be­hand­lung kommen“, heißt es in dem Bericht.

Betroffene Soldaten werden überwiegend in den Sanitätseinrichtungen und Krankenhäu­sern der Bundeswehr behandelt. Dafür müssten aber „ausreichend Therapiekapazitäten vorhanden sein“, fordert der Wehrbeauftragte. Zahlen werden im Jahresbericht nicht ge­nannt, nur der Satz: „Jahr für Jahr klagen Betroffene über Defizite bei der personellen Besetzung der Bundeswehrkrankenhäuser mit Fachpersonal.“

Posttraumata bei Soldaten sind leicht rückläufig, dafür steigen Depressionen und Sucht. Um sie bestmöglich zu behandeln, sollten sich Niedergelassene mit dem militärischen Kontext vertraut machen oder mit dem Sanitätsdienst kooperieren. Mali und Afghanistan sind zurzeit die Hauptregionen, aus denen Soldaten mit einsatzbedingten posttraumatischen Belastungsstörungen (PTBS) zurück nach Deutschland […]

Zur Prävention von einsatzbedingten psychischen Erkrankungen verweist Bartels auf die Regel, dass zwischen zwei Auslandseinsätzen immer eine einsatzfreie Zeit von fünf Mo­na­ten pro geleistetem Einsatzmonat liegen soll, um sich wieder vollständig in das „nor­male“ Leben integrieren zu können. „Es kommt immer wieder zur Umgehung dieser Re­gel, weil es von bestimmten Spezialisten zu wenige bei der Bundeswehr gibt“, heißt es im Jahresbericht. Das schaffe zusätzliche Probleme.

Mehr fachliche Unterstützung nötig

Neben der Behandlung von Soldaten mit einsatzbedingten psychischen Erkrankungen thematisiert der Wehrbeauftragte Bartels auch die Wiedereingliederung der Betroffenen in den Dienst als „wichtiges Element im Rahmen der Rehabilitation“.

Soldaten sollten Dienst leisten, sobald dies unter therapeutischen Gesichtspunkten mög­lich ist. Schwierig sei es jedoch oftmals, ein Umfeld zu finden, wo sich die Betroffenen entsprechend ihrer aktuellen Möglichkeiten sinnvoll einbringen könnten.

Zum anderen sei es für die aufnehmenden Dienststellen oft „eine Herausforderung“, die notwendige Betreuung zu gewährleisten. „Vorgesetzte und Kameraden brauchen mehr fachliche Unterstützung und Schulung zum Umgang mit psychisch Einsatzgeschädigten“, heißt es im Jahresbericht des Wehrbeauftragten.