Psychothera­peutische Sprechstunde und Probatorik jetzt auch per Video möglich

Um die psychotherapeutische Versorgung während der Coronakrise zu erleich­tern, haben die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) und der GKV-Spitzenverband Sonderregelungen beschlossen. Sie gelten ab sofort und betreffen die Videobehandlung und die Umwandlung von Gruppen- in Einzeltherapien.

Die Durchführung von Psychotherapeutischen Sprechstunden und probatorischen Sitzun­gen − auch bei der neuropsychologischen Therapie − werden danach zunächst bis zum 30. Juni auch im Rahmen der Videosprechstunde ermöglicht. Bislang war dies nur bei be­stimmten Leistungen der Richtlinien-Psychotherapie möglich und nur, wenn vorher ein persönlicher Kontakt zwischen Patient und Psychotherapeut stattgefunden hat.

Grundsätzlich erfordere die Psychotherapeutische Sprechstunde weiterhin die Anwesen­heit der Patienten: Insbesondere für Eingangsdiagnostik, Indikationsstellung und Aufklä­rung sei der unmittelbare persönliche Kontakt im Regelfall notwendig, heißt es aus der KBV. Gegebenenfalls müsse die Sprechstunde auf ein Mindestmaß reduziert werden, um Infektionsrisiken zu minimieren.

Vor dem Hintergrund der COVID-19-Pandemie könne es im Einzelfall indes sinnvoll sein, Patienten den Weg in die Praxis nicht zuzumuten, wenn dadurch andere Gefahren vermie­den werden können. Hierfür sei die Psychotherapie-Vereinbarung jetzt entsprech­end für einen begrenzten Zeitraum angepasst worden. Dies erlaubt es nach Angaben von KBV und GKV-Spitzenverband diagnostische Einschätzungen und eine Einleitung von Psycho­therapie auch per Video vorzunehmen.

Zur Umsetzung der Sonderregelungen wurde der Einheitliche Bewertungsmaßstab (EBM) so angepasst, dass die entsprech­en­den Gebührenordnungspositionen bis zum 30. Juni auch abgerechnet werden dürfen, wenn die Leistungen in einer Videosprechstunde durchgeführt wurden.

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Darüber hinaus können nach Angaben der KBV genehmigte Leistungen einer Gruppen­psychotherapie übergangsweise in Einzelpsychotherapie umgewandelt werden, ohne dass hierfür eine gesonderte Antragstellung bei der Krankenkasse oder Begutachtung erfolgen muss. Dadurch könnten Infektionsrisiken vermieden werden.

Für je eine Therapieeinheit genehmigte Gruppentherapie (entspricht einer Sitzung mit 100 Minuten) könne bei Bedarf maximal je Patient der Gruppe eine Einzeltherapie (ent­spricht einer Sitzung mit 50 Minuten) durchgeführt und abgerechnet werden. Auch diese Regelung gelte bis zum 30. Juni. Die Umwandlung erfolge über die „Therapieeinheit“ und müsse lediglich formlos der Krankenkasse mitgeteilt werden.

Die Durchführung von Gruppentherapien ist nach Angaben der KBV aber weiterhin zu­lässig. Ob eine Durchführung weiterhin zumutbar ist, sollten Therapeuten unter Beach­tung des Infektionsschutzes prüfen und selbstverantwortlich entscheiden.

Zur Versorgung der Bevölkerung müssten die Praxen, soweit es die äußeren Umstände erlauben, aber auch weiterhin physisch für Patienten erreichbar bleiben. Darauf weisen KBV und GKV-Spitzenverband auch hin. Insbesondere in Akutfällen sei eine therapeu­tische Konstante am Ort der Praxis wichtig.