Die Hirnströme vor dem Bungeesprung

Bewegungsbezogene Hirnaktivitäten lassen sich auch in Situationen zuverlässig messen, in denen starke Emotionen eine Rolle spielen, zum Beispiel vor einem Bungeesprung. Das berichten Wissenschaftler um Surjo Soekadar von der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Charité – Universitätsmedizin Berlin. 

Wenn eine Person bei einem Bungeejump kurz vor dem Entschluss steht, von der Brücke herunterzuspringen, konnten sie fast eine Sekunde vor der bewussten Entscheidung zu dem Sprung ein sogenanntes Bereitschaftspotenzial nachweisen. Die Studie ist im Fachjournal Scientific Reports erschienen (2019; doi: 10.1038/s41598-018-38447-w). 

Elektrische Spannungsverschiebung im Gehirn zeigt Bereitschaft an

Das Bereitschaftspotenzial ist eine elektrische Spannungsverschiebung im Gehirn, die über die menschliche Kopfhaut mittels Elektroenzephalografie (EEG) gemessen wird. Es zeigt eine bevorstehende willentliche Handlung – zum Beispiel eine Handbewegung – an und entsteht, noch bevor sich die handelnde Person bewusst wird, dass sie gleich diese Bewegung ausführen wird. Das Phänomen wurde 1964 von Lüder Deecke und Hans-Helmut Kornhuber entdeckt, als beide unter strengen Laborbedingungen die Hirnströme von Probanden bei Fingerbewegungen maßen.

„Die Messung dieser elektrischen Potenziale ist bereits im Labor extrem sensibel, da die Spannungsverschiebung nur wenige Millionstel Volt beträgt. Doch um alltagstaugliche Gehirn-Computer-Schnittstellen zu entwickeln, wollten wir untersuchen, ob das Bereitschaftspotenzial auch unter realen Umständen aufzuzeichnen ist“, berichtet Soekadar.

Höhe der Sprünge ohne Auswirkung

Die Forscher ließen daher 2 Probanden insgesamt 30-mal von der 192 Meter hohen Europabrücke bei Innsbruck springen und nahmen dabei deren Hirnströme auf. So konnten sie in einer realen Umgebung nachweisen, dass bewegungsbezogene Hirnaktivität auch in Situationen zuverlässig gemessen werden kann, in denen starke Emotionen eine Rolle spielen. Zudem fanden sie heraus, dass sich die Hirnaktivität bei den Sprüngen aus 192 Metern Höhe nicht von der Hirnaktivität bei Sprüngen aus nur 1 Meter Höhe unterscheidet. Die 2 Probanden sprangen dafür ebenfalls insgesamt 30-mal aus 1 Meter Höhe. Dieses Ergebnis bedeutet laut den Forschern, dass die Angst vor einer vermeintlich lebensgefährlichen Handlung keinen Einfluss auf die Ausprägung des Bereitschaftspotenzials hat. 

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Die Studie ist laut den Autoren für die Weiterentwicklung von Gehirn-Computer-Schnittstellen wichtig. Diese übersetzen Hirnaktivität in Steuersignale von Robotern oder anderen technischen Geräten. Im Alltag ist es sehr wichtig, dass auch starke Gefühle die Steuerung solcher Neuroprothesen nicht beeinträchtigen. „Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass wir Gehirn-Computer-Schnittstellen auch unter extremer emotionaler Anspannung zuverlässig einsetzen können“, erklärt Soekadar. 

Studie: Jeder sechste minderjährige Gamer von Sucht bedroht

Etwa jeder sechste minderjährige Computerspieler in Deutschland ist einer Studie zufolge suchtgefährdet. Von den rund drei Millionen Jugendlichen, die regelmäßig an Computer, Smartphone oder der Konsole spielen, zählen Forscher demnach 15,4 Prozent zur Risikogruppe. Das sind rund 465.000 Jugendliche, wie aus einer heute in Berlin vorgestellten Untersuchung der Krankenkasse DAK-Gesundheit und des Deutschen Zentrums für Suchtfragen hervorgeht.

Beispiele sind aus Sicht der Experten

  • Kein Ende: Die virtuellen Spielewelten verändern sich ständig. Es werden neue Erlebnisse ohne endgültiges Ziel angeboten.
  • Belohnungen: Hohes Spielengagement – sei es in Form von Zeit- oder Geldeinsatz – wird belohnt.
  • „Loot-Boxen“: Diese Kisten mit überraschendem Inhalt gibt es für erzielte Erfolge oder gegen Geld. Das entspricht den suchtgefährdenden Mechanismen des klassischen Glücksspiels.
  • Virtuelle Währung: Bestimmte Extras werden nur gegen Geld freigeschaltet („In-Game-Käufe“). Der Einsatz virtueller Währungen erschwert dabei den Überblick über die Ausgaben.
  • Soziale Zugehörigkeit: Ein Teamverbund ermöglicht schnelle Spielfortschritte und schafft Wertschätzung und Anerkennung, kann aber auch den Druck erzeugen, mithalten zu müssen.
  • Personalisierung: Spiele gehen stark auf Bedürfnisse und Wünsche der Nutzer ein und berücksichtigen persönliche Fähigkeiten.

Mehr Jungen als Mädchen betroffen

Das Spielverhalten der Betroffenen sei riskant oder sogar krankhaft im Sinne einer Abhängigkeit, hieß es. Sie fehlten danach häufiger in der Schule, hätten mehr emotionale Probleme und gäben zudem deutlich mehr Geld für Computerspiele und Extras aus. Zu den sogenannten Risikogamern gehören wesentlich mehr Jungen als Mädchen (79 zu 21 Prozent). 

Die Suchtexperten forderten angesichts der Ergebnisse ein Verbot von Glücksspiel­elementen in Computerspielen. „Durch die Tricks der Industrie finden viele Jugendliche kein Ende und verzocken Zeit und Geld“, warnte DAK-Gesundheit-Chef Andreas Storm. „Aus Spaß kann schnell Sucht werden.“ Deshalb müsse der Glücksspiel­charakter in Computerspielen eingedämmt werden. In Belgien und den Niederlanden existierten bereits entsprechende Verbote. Außerdem sollten für Gamer Warnhinweise eingeblendet werden, wenn bestimmte Spielzeiten überschritten sind, forderte Storm.

72,5 Prozent der Jugendlichen in Deutschland spielen am Computer

Grundlage des DAK-Reports „Geld für Games – wenn Computerspiel zum Glücksspiel wird“ ist eine Untersuchung in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Zentrum für Suchtfragen am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) und dem Umfrage­institut Forsa. Demnach spielen 72,5 Prozent der Jugendlichen in Deutschland regelmäßig Computerspiele, davon zeigen 15,4 Prozent oder rund 465.000 bedenk­liches Verhalten.

Nach Angaben der UKE-Experten fehlen „Risikogamer“ in der Schule etwa dreimal häufiger als Altersgenossen mit unauffälligem Spielverhalten. Die Risikogruppe war außerdem deutlich öfter bereit, Geld für Spiele auszugeben. Sie investierte dabei etwa doppelt so viel in den Kauf von Extras. Fünf Prozent der Jugendlichen aus dieser Gruppe hatten wegen des Spielens demnach ernsthafte Probleme mit Familie oder Freunden.

Kritisch bewerteten die Fachleute dabei insbesondere Aspekte aktueller Spiel­gestaltung, die nach ihrer Einschätzung mögliche Abhängigkeiten befördern. Neben Lootboxen, die junge Spieler demnach an Mechanismen des Glücksspiels heranführen, bezogen sie sich unter anderem auf den Einsatz virtueller Währungen, etwa zum Kauf hilfreicher Funktionen. Auch die Tatsache, dass Spiele als sich ständig verändernde „Open-End“-Versionen mit immer neuen Erlebnissen angeboten werden, trägt ihrer Auffassung nach dazu bei. Das Agieren im Team gehört ebenfalls dazu. Dies ermögliche schnellere Fortschritte und schaffe Anerkennung, hieß es. 

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Lebensstilfaktoren hinterlassen Spuren im Gehirn

Eine gesunde beziehungsweise eine ungesunde Lebensführung spiegeln sich auch im Gehirn wider. Das berichten Nora Bittner und Svenja Caspers vom Jülicher Institut für Neurowissenschaften und Medizin in der Fachzeitschrift Nature Communications (2019; doi: 10.1038/s41467-019-08500-x). 

Die Forscher analysierten die Daten von 248 Frauen und 301 Männern im Alter von 55 bis 85 Jahren. Hierbei konnten sie auf Kernspinaufnahmen der Gehirne und auf einen umfangreichen Datensatz zu der Lebenssituation der Probanden zurückgreifen. Sie berücksichtigten davon die Faktoren soziales Umfeld, Alkohol- und Tabakkonsum sowie körperliche Aktivität. „Unser Datensatz erlaubt es, alle vier Aspekte gleichzeitig in jedem einzelnen Probanden zu betrachten und dabei auch Effekte aufzudecken, die erst durch das Zusammenspiel der verschiedenen Faktoren zustande kommen“, erläuterte Caspers.

„Sport, soziale Kontakte und Alkohol wirken sich nach unseren Ergebnissen direkt auf die Gehirnstruktur aus“, so Bittner. Die graue Substanz in bestimmten Regionen des Gehirns sei zum Beispiel bei Menschen, die in einem regen sozialen Umfeld lebten, besser erhalten, als bei Menschen, die wenig soziale Kontakte hätten. Auch sportlich aktive Menschen zeigten im Alter einen geringeren Volumenverlust des Gehirns als inaktive Zeitgenossen. Ein hoher Alkoholkonsum wirke sich hingegen negativ auf die Gehirnstruktur aus, gehe also mit einem Gehirnabbau und dem Verlust von Nerven­zellen einher, führte die Wissenschaftlerin aus.

Rauchen beeinflusse hingegen weniger die Gehirnstruktur, sondern vielmehr die Gehirnfunktion, stellte Bittner fest. „Es zeigte sich, dass die sogenannte funktionelle Konnektivität, also die gezielte Zusammenarbeit von Hirnregionen untereinander, im ruhenden Gehirn bei Rauchern höher ist als bei Nichtrauchern“, hob Bittner hervor. „Wir gehen davon aus, dass dadurch die kognitive Reserve bei Rauchern geringer ist, da die betreffenden Regionen schon im Ruhezustand auf Hochtouren laufen und damit kein Leistungspuffer mehr frei ist“, ordnete sie dieses Ergebnis ein.

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„Unsere Forschungsergebnisse zeigen eindrucksvoll, dass allgemeingültige Aussagen zu einer gesunden Lebensführung sich auch anatomisch und funktionell im Gehirn widerspiegeln“, betonte Caspers. 

Das Forscherteam war nach eigenen Angaben überrascht von der starken Korrelation zwischen sozialer Interaktion und der ausgeprägten Hirnstruktur. „Der positive Zusammenhang zwischen körperlicher Aktivität und geistiger Leistungsfähigkeit ist schon länger bekannt und gut belegt“, sagte Caspers. „Dass nun ein intensives oder geringes Sozialleben ebenfalls deutliche Spuren im Gehirn hinterlässt, eröffnet eine Vielzahl von neuen Forschungsfragen“, so ihre Einschätzung.

Concept image of miniature construction workers inspecting a brain. There are small caution cones around the brain. White background.

Alkoholkonsum von Teenagern könnte emotionales Zentrum des Gehirns dauerhaft verändern

Menschen, die bereits als Jugendliche mit dem Alkoholkonsum begannen, wiesen bei ihrem Tod im Alter von Ende 50 Veränderungen in den Amygdalae auf, die nach Ansicht von Forschern in Translational Psychiatry (2019; 9: 34) die emotionalen Probleme und die erhöhte Suchtneigung erklären, die mit einem frühen und exzessiven Alkoholkonsum verbunden sind.

Epidemiologische Studien haben gezeigt, dass Menschen, die als Jugendliche zu Alkoholexzessen neigen („Binge-Trinken“), später 4-mal häufiger alkoholabhängig werden als Menschen, die erst als Erwachsene regelmäßig Alkohol trinken. Hirnforscher vermuten deshalb, dass der Alkoholkonsum in einer Zeit, in der das Gehirn einem Umbauprozess unterworfen ist, nachhaltige Schäden anrichten könnte. Eine mögliche Folge, die ebenfalls in epidemiologischen Studien beobachtet wurde, ist eine emotionale Labilität.

Ein wichtiges Hirnzentrum für die Verarbeitung emotionaler Signale sind die beiden Corpora amygdaloideum (kurz Amygdalae). In diesen kleinen Hirnregionen werden eintreffende Informationen einer Gefahrenanalyse unterzogen. Bei einer Bedrohung wird ohne weitere Rückfrage in höheren kognitiven Zentren eine Angst- und Alarmreaktion ausgelöst. Menschen, bei denen die Amygdalae beidseitig geschädigt sind, kennen keine Angst. Selbst in lebensbedrohlichen Situationen machen sie keine Anstalten zu einem Rettungsversuch.

Ein Team um Subhash Pandey von der Universität von Chicago hat die Amygdalae von 44 Personen untersucht, die im Alter von Ende 50 gestorben waren und deren Lebensgeschichte bekannt war: 11 Personen hatten bereits als Jugendliche (vor dem 21. Lebensjahr) mit einem starken Alkoholkonsum begonnen. Weitere 11 Personen hatten erst im Erwachsenenalter zu trinken begonnen. Beide Gruppen waren bei ihrem Tod alkoholabhängig. Die dritte Gruppe von 22 Personen hatte keine Alkoholprobleme.

In den Amygdalae der Personen, die bereits als Jugendliche Alkohol getrunken hatten, wiesen die Forscher zu 30 % mehr BDNF-AS nach. Es handelt sich um ein Steuergen für den Wachstumsfaktor BDNF („brain-derived neurotrophic factor“). BDNF ist ein wichtiger Faktor für die Entwicklung des Gehirns, im Erwachsenenalter beeinflusst er die Plastizität des Gehirns. Da das Steuergen BDNF-AS die Produktion von BDNF hemmt, war die BDNF in dem Gehirn der „früheren Trinker“ vermindert. Ähnliche Veränderungen waren bei den „späten Trinkern“ und in der Kontrollgruppe nicht nachweisbar.

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Eine verminderte BDNF-Konzentration in den Amygdalae könnte auf eine verminderte emotionale Lernfähigkeit hindeuten, schreibt Pandey. Dies würde erklären, warum Menschen, die als Jugendliche exzessiv Alkohol trinken, im Erwachsenenalter häufiger emotionale Probleme haben und zum Alkoholabusus neigen.

Pandey führt die Langzeitwirkung auf epigenetische Störungen zurück. Dabei handelt es sich um Veränderungen in der DNA-Methylierung. Mit der Anheftung von Methylgruppen können Gene dauerhaft abgeschaltet werden. Im Fall BDNF-AS scheint bei frühen Trinkern eine notwendige DNA-Methylierung nicht zu erfolgen. 

Common alcoholic beverages
Von TrafficJan82
Eigenes Werk, Gemeinfrei,
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Alkoholabhängigkeit hat ähnliche genetische Grundlagen wie psychiatrische Störungen

WissenschaftlerInnen unterBeteiligung von ZI-Forschern konnten aufzeigen, dass Alkoholabhängigkeit undeinige psychiatrische Störungen teilweise gemeinsame genetische Grundlagenhaben.


Die Anfälligkeit eines Menschen, alkoholabhängig zu werden, ist vererbbar. Obwohl dies schon länger bekannt ist, wissen wir wenig über die genetischen Grundlagen von Alkoholabhängigkeit und deren Verbindung zu anderen psychiatrischen Störungen. Unter Beteiligung von Forscherinnen und Forschern des Zentralinstituts für Seelische Gesundheit (ZI) in Mannheim hat eine Gruppe von internationalen Wissenschaftlern nun erstmals herausgefunden, dass deutliche genetische Zusammenhänge zwischen Alkoholabhängigkeit und 17 verschiedenen psychiatrischen Störungsbildern bestehen, darunter Schizophrenie,Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS), Depression und Konsum von Zigaretten und Cannabis.

Daten von fast 15.000 Alkoholabhängigen analysiert
Die Forscherinnen und Forscher haben dafür die bisher größte genomweite Studie in diesem Forschungsfeld durchgeführt. Sie analysierten genetische Daten von fast 15.000 Personen mit diagnostizierter Alkoholabhängigkeit und verglichen diese mit Daten von fast 38.000 gesunden Personen. Die Daten stammen von Menschen aus Europa und Afrika.

Widerstandskraft von Betroffenen stärken
Zudem fanden die Forscher heraus, dass sich die genetischen Ausprägungen von Alkoholabhängigkeit nur teilweise mit denen des Alkoholkonsums überschneiden.„Das unterstreicht die Unterscheidung zwischen pathologischem und nicht-pathologischem Trinkverhalten“, sagt Prof. Dr. Marcella Rietschel, Direktorin der Abteilung Genetische Epidemiologie in der Psychiatrie, die an der Studie beteiligt war. Die Ergebnisse zeigen deutlich, dass der genetische Ansatz erfolgreich ist, Zusammenhänge aufzuklären, die bislang nur vermutet werden konnten. „Nun sind vor allem detailliertere Untersuchungen von vielen Patienten von Nöten, um herauszufinden, wie genau die genetischen Faktoren dazu beitragen, dass jemand abhängig wird“, sagt Prof. Dr. Falk Kiefer, ärztlicher Direktor der Klinik für Abhängiges Verhalten und Suchtmedizin am ZI. Auf diese Weise hoffen die Forscher, bessere Wege zu finden, um die Widerstandskraft(Resilienz) von Betroffenen zu stärken.

Originalpublikation:
Transancestral GWAS of alcohol dependence reveals common genetic underpinnings with psychiatric disorders, Nature Neuroscience, DOI:10.1038/s41593-018-0275-1.
Weitere Informationen finden Sie unter
https://www.zi-mannheim.de/institut/news-detail/alkoholabhaengigkeit-hat-aehnliche-genetische-grundlagen-wie-psychiatrische-stoerungen.html

Milliardenkosten durch psychische Erkrankungen

Die ökonomischen Kosten psychischer Erkrankungen belaufen sich für alle 28  Staaten der Europäischen Union (EU) derzeit auf rund 600 Milliarden Euro pro Jahr. Das zeigt ein gemeinsamer Bericht der „Organisation for Economic Cooperation and Development“, (OECD) und der Europäischen Kommission.

Ein großer Teil dieser Kosten ist auf niedrigere Beschäftigungsquoten und eine geringere Produktivität von Menschen mit Problemen der psychischen Gesundheit zurückzuführen (1,6 Prozent des EU-BIP oder 260 Milliarden Euro), auf höhere Ausgaben für Sozialversicherungsprogramme (1,2 Prozent des EU-BIP oder 170 Milliarden Euro). Der Rest sind direkte Ausgaben für die Gesundheitsversorgung (1,3 Prozent des EU-BIP oder 190 Milliarden Euro). Deutschland muss laut dem Bericht rund 4,8 Prozent seines Bruttoinlandproduktes (BIP) dafür aufwenden.

Wie der Report weiter zeigt, leiden Deutsche im Vergleich etwas häufiger an psychischen Erkrankungen als andere Europäer. Mit einem Anteil von 18 Prozent Betroffenen lag Deutschland im Jahr 2016 über dem EU-Durchschnitt von 17,3 Prozent. Den größten Anteil davon machten Angststörungen aus, dicht gefolgt von Depressionen sowie Alkohol- und Drogenkonsumstörungen.

Insgesamt litten EU-weit fast 84 Millionen Menschen an psychischen Erkrankungen. Am häufigsten kommen diese der Untersuchung zufolge in Finnland und den Niederlanden vor, am seltensten in Rumänien, Bulgarien und Polen. Die Verfasser weisen jedoch darauf hin, dass international sehr unterschiedlich mit psychischen Problemen umgegangen werde. Dort, wo solche Krankheiten eher als Tabuthema gelten, könne die Dunkelziffer höher sein.

„Die schweren Belastungen durch psychische Erkrankungen für den Einzelnen und die Gesellschaft sind nicht unvermeidlich“, sagte OECD-Generalsekretär Angel Gurría. Es könne „viel mehr getan werden, um die psychische Gesundheit zu fördern und besser zu verwalten“.

Laut dem für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit zuständigen EU-Kommissar Vytenis Andriukaitis sind vor allem besser koordinierte Maßnahmen zur Förderung einer besseren psychischen Gesundheit in Schulen und am Arbeitsplatz nötig, aber auch bei schwächeren Gruppen wie Arbeitslosen und älteren Menschen.

Meditation unterstützt Traumatherapie

Meditation könnte dazu beitragen, den Schweregrad einer post­trauma­tischen Belastungsstörung (PTBS) zu verringern. Das berichten Wissenschaftler um Sanford Nidich in der Fachzeitschrift The Lancet Psychiatry (2018; doi: 10.1016/S2215-0366(18)30384-5).

Aktuelle evidenzbasierte Behandlungen für PTBS umfassen laut den Autoren kognitive Verhaltenstherapie, Gruppentherapie, Medikamente und traumabasierte Psycho­therapie oder eine Kombination aus diesen Maßnahmen.

An der randomisierten kontrollierten Studie nahmen 203 US-Veteranen teil. Die meisten Teilnehmer der Studie hatten sehr schwere PTBS-Symptome, überwiegend aus kampfbedingten Traumata, mit hohen Komorbiditätsraten. 68 % der Teilnehmer nahmen während der Studie weiterhin Medikamente gegen PTBS ein.

Die Forscher randomisierten die Teilnehmer in 3 Gruppen: für transzendentale Meditation (68 Veteranen), für eine verlängerte Expositionstherapie (68 Veteranen) und für eine Kontrollgruppe, die Gesundheitsinformationen erhielt (67 Veteranen).

Nach 3 Monaten Behandlung stellte sich heraus, dass Meditation genauso effektiv war, um Symptome zu reduzieren, wie eine verlängerte Expositionstherapie und besser als Gesundheitserziehungskurse. Die Abbrecherquoten waren zwischen den 3 Gruppen nicht signifikant unterschiedlich.

„PTBS ist eine ernste und behindernde Erkrankung, von der schätzungsweise 14 % der US-Veteranen betroffen sind, die in Afghanistan und im Irak eingesetzt werden oder aus dem Kampf zurückkehren“, sagte Nidich.

Eine der am häufigsten verwendeten Behandlungen für PTBS sei die Langzeit-Psychotherapie, die sich auf die Wiedererfahrung des traumatischen Ereignisses durch Erinnerung und Beschäftigung mit Erinnerungen an das Trauma konzentriert, anstatt sie zu vermeiden.

Während eine Psychotherapie mit längerer Exposition für viele von Vorteil ist, zeigten laut den Autoren 30 bis 50 % der teilnehmenden Veteranen keine klinisch signifikanten Verbesserungen. Daher seien neue Behandlungen notwendig, einschließlich Optionen, die keine Exposition gegenüber der traumatischen Erfahrung beinhalten.

Die Studie könnte nach Hoffnung der Autoren den Ansatz für eine neue, nicht traumafokussierte Behandlung für Veteranen bieten, die eine hilfreiche Ergänzung zu anderen verfügbaren Behandlungen wie Medikamenten sein könnte. Allerdings seien dazu noch größere, standortübergreifende Studien erforderlich, so die Autoren.

Die Alkohol-in-Maßen-Lüge

Alkohol ist nicht gesund, auch nicht in Maßen. Das ist das ernüchternde Ergebnis einer weltweiten Meta-Analyse zum Alkoholkonsum und seinen gesundheitlichen Folgen. Zahlreicher Expertenaussagen zum Trotz tut uns das tägliche Glas Rotwein wohl doch nicht so gut.

Obwohl die Wissenschaft Alkoholkonsum als maßgeblichen Risikofaktor für frühzeitigen Tod sowie Behinderungen anerkennt, gibt es auch immer wieder Aussagen, ein niedriger Konsum von Alkohol könne auch positive Auswirkungen auf die Gesundheit haben. Gestern wurde im Lancet eine Studie veröffentlicht, in der das Gegenteil behauptet wird. Die Autoren stellen die Aussagekraft von wissenschaftlicher Thesen, in denen moderater Alkoholkonsum unkritisch oder sogar positiv bewertet wird, infrage.

So wurde untersucht

Die großangelegte Meta-Analyse ist ein von der Bill & Melinda Gates Foundation finanziertes Projekt. Es wurden 694 unterschiedliche Datenquellen zu individuellem und bevölkerungsbezogenem Alkoholkonsum untersucht, sowie weitere 592 prospektive und retrospektive Studien zu Risiken von Alkoholkonsum. Die Auswertung wurde im Global Burden of Disease Report aus dem Jahr 2016 zusammengefasst. Die Werte beziehen sich auf Männer und Frauen im Alter von 15 bis 95 Jahren und älter (gruppiert in 5-Jahres-Abständen) von 195 verschiedenen Orten im Zeitraum von 1990 bis 2016.

Anhand dieser Daten wurden folgende Werte ermittelt:

Im Rahmen der Analyse wurde ein „Standard-Drink“ mit 10 g oder 12 Milliliter purem Ethanol pro Getränk definiert. Bei der Häufigkeit des Trinkens setzten die Forscher strenge Maßstäbe an: Als Gelegenheitstrinker galten Personen bereits, wenn sie in den vergangen 12 Monaten ein oder mehr alkoholische Getränke zu sich genommen hatten.

Im Zuge der Studie fand man heraus, dass im Jahr 2016 weltweit etwa 2,4 Milliarden Menschen gelegentlich oder häufiger Alkohol tranken. Davon sind 25 Prozent Frauen, die täglich durchschnittlich 0,73 alkoholische Getränke zu sich nehmen. Bei den Männern sind es 39 Prozent, die durchschnittlich 1,7 Drinks am Tag trinken.

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Tod durch Alkohol: Länder- und Gendervergleich

Alkohol war im Jahr 2016 der führende Risikofaktor für Erkrankungen und frühzeitigen Tod weltweit bei Männern und Frauen zwischen 15 und 49 Jahren. Weltweit war Alkohol für 2,2 Prozent der Todesfälle bei Frauen und 6,8 Prozent der Männer verantwortlich, so das Ergebnis der Studie.

Für die Altergsgruppe 50 plus waren Krebserkrankungen der Hauptgrund alkoholbedingter Tode, in der Gruppe der 15- bis 49-Jährigen waren es Verkehrsunfälle, Selbstverletzungen und Tuberkulose. Bezogen auf alle Altersgruppen wurde der Konsum von Alkohol in diesem Jahr mit 2,8 Millionen Toden asoziiert, dazu zählen neben den genannten Gründen mit Alkohol in Verbindung stehende Herzerkrankungen, Gewalteinwirkung sowie Brandunfälle oder Ertrinken.

Wenig überraschend aufgrund der Einwohnerzahlen führen China, Indien und Russland die weltweite Liste der alkoholbedingten Tode bei Frauen und Männern an. Die USA sind bei Männern an fünfter und bei Frauen an siebter Stelle, Großbritannien an 21. Stelle bei den Männern, dafür an neunter bei den Frauen. Deutschland befindet sich sowohl bei den Männern als auch bei den Frauen auf dem achten Platz, wie aus einer von CNN erstellten Tabelle hervor geht.

Am besten ist kein Alkohol

„Die gesundheitlichen Risiken, die mit Alkohol assoziiert werden, sind massiv,“ wird Seniorautorin Dr. Emmanuela Gakidou in der Pressemitteilung des Institute for Health Metrics and Evaluation (IHME) zitiert. „Unsere Ergebnisse decken sich mit anderen aktuellen Forschungen, die klare und überzeugende Korrelationen zwischen Alkoholkonsum und frühzeitigem Tod, Krebs und kardiovaskulären Problemen nahelegen. Ein Verzicht auf Alkohol minimiert das allgemeine Risiko für gesundheitliche Schäden.“

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Besonders überrascht waren sie darüber, dass auch kleine Mengen an Alkohol nicht zu verharmlosen sind. „Für gewöhnlich hört man, dass ein Drink oder zwei pro Tag in Ordnung sind. Aber Beweise sind Beweise,“ betont Gakidou. Verglichen mit Menschen, die gelegentlich oder öfter Alkohol trinken, ist bei Menschen, die gar keinen Alkohol trinken, das relative Risiko für gesundheitliche Beeinträchtigungen minimiert. Das Risiko stieg monoton mit steigender Menge an täglich konsumiertem Alkohol, berichten die Autoren.

Häufiger Wohnungswechsel erhöht Psychoserisiko bei Kindern und Jugendlichen

Ein häufiger Wohnungswechsel der Familie ging in einer prospektiven Kohortenstudie in JAMA Psychiatry (2018; doi: 10.1001/jamapsychiatry.2018.2233) mit einem erhöhten Psychoserisiko von Kindern einher, das im Teenageralter besonders ausgeprägt war. Die Forscher vermuten die Ursache in einer sozialen Isolierung der Betroffenen während einer für die Persönlichkeitsbildung wichtigen Lebensphase.

Frühere Untersuchungen hatten gezeigt, dass jugendliche Flüchtlinge ein erhöhtes Risiko haben, an einer Psychose zu erkranken. Neben der internationalen Migration gibt es jedoch in den meisten Ländern auch eine innerstaatliche: Wenn die Eltern eine bessere Wohnung in einem anderen Stadtteil gefunden haben oder aus beruflichen Gründen umziehen, müssen auch die Kinder und Jugendlichen den Wohnort wechseln.

Der Umzug ist meistens mit einem Wechsel der Schule verbunden. Die Kinder und Jugendlichen müssen sich einen neuen Freundeskreis suchen. Dies kann rasch zu einer Verschlechterung der schulischen Leistungen führen, und die Kinder geraten in einer Lebensphase, in der Freunde als „Peer-group“ von großer Bedeutung für die Entwicklung von Selbstwertgefühl und Persönlichkeit sind, schnell in eine soziale Isolation.

Die meisten Kinder und Jugendlichen überwinden die Krise nach einiger Zeit. Bei einer fragilen Persönlichkeit kann es jedoch zum Ausbruch einer Psychose kommen. Ein Team um James Kirkbride vom University College London hat den Einfluss der innerstaatlichen Migration auf das Psychoserisiko durch einen Abgleich der Einwohnermelderegister mit dem nationalen Krankenhausregistern untersucht. Die Forscher führten die Untersuchung in Schweden durch, weil dort die Einwohner eine Personalnummer haben, die in allen Registern verwendet wird.

Die Untersuchung umfasst 1,4 Millionen Schweden, die zwischen 1982 und 1995 ihren 16. Geburtstag hatten. Von diesen sind 4.537 wegen einer nichtaffektiven Psychose später in einer Klinik behandelt worden. Die Erkrankung trat im Mittel im Alter von 21 Jahren auf. Der Stessor Wohnungs- und Umgebungswechsel lag da meist schon viele Jahre zurück.

Am meisten gefährdet waren Jugendliche im Alter von 16 bis 19 Jahren. Schon ein einziger Umzug war in dieser Lebensphase mit einem um 45 Prozent erhöhten Psychoserisiko verbunden. Kinder, die in dieser Zeit 4-mal oder noch häufiger den Wohnort wechselten, hatten sogar ein 4-fach erhöhtes Risiko.

Es ließ sich zwar häufig auf andere Faktoren wie frühere Umzüge oder schlechtere schulische Leistungen zurückführen (wobei letztere auch eine Folge des häufigeren Ortswechsels gewesen sein könnten). Es blieb jedoch ein signifikant erhöhtes Risiko übrig, dass mit der Zahl der Umzüge von 28 % bei einem Umzug auf 99 % bei 4 oder mehr Umzügen anstieg.

Am zweitgrößten war der Einfluss bei jüngeren Kindern im Alter von 5 bis 15 Jahren. Das Psychoserisiko stieg hier (nach Berücksichtigung anderer Risikofaktoren) um 22 %, wenn die Eltern einmal umgezogen waren, beziehungsweise um 95 % bei 4 oder mehr Umzügen.

Selbst bei Vorschulkindern waren die Umzüge der Eltern mit einem 13 bis 83 % (nach 1 oder nach 4 oder mehr Umzügen) erhöhten Psychoserisiko verbunden. Kirkbride rät deshalb den Psychiatern, bei ihren jugendlichen Patienten immer auch nach Umzügen der Eltern zu fragen und die entsprechenden Probleme durch Isolation und gestörter Selbstwertfindung zu thematisieren.

Transkranielle Magnetstimulation lindert Zwangsstörungen

Silver Spring/Maryland – Die US-Arzneimittelbehörde FDA hat erstmals ein Gerät zur tiefen transkraniellen Magnetstimulation für die Behandlung von Zwangsstörungen zugelassen. Der Hersteller hatte in einer randomisierten Studie zeigen können, dass die auf den anterioren cingulären Cortex gerichteten Impulse die Beschwerden der häufigen Störung abschwächen.

Vermutlich zwischen 1 bis 3 % der Bevölkerung erkranken im Verlauf ihres Lebens an Zwangsstörungen. Sie werden durch wiederkehrende unerwünschte Gedanken („Obsessionen“) gequält oder sehen sich gezwungen, Handlungen durchzuführen, deren Sinnlosigkeit ihnen bewusst ist, die sie aber nicht abstellen können. Die Zwangs­störungen beginnen oft bereits in der Jugend und begleiten viele Patienten ein Leben lang.

Die Behandlung besteht derzeit in einer Therapie mit Antidepressiva aus der Gruppe der Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI), die bei Patienten mir Zwangsstörungen häufig in sehr hoher Dosierung erfolgen muss und/oder in einer Psychotherapie, die heute in der Regel aus einer kognitiven Verhaltenstherapie besteht. Beide Therapien sind etwa bei der Hälfte der Patienten nicht erfolgreich und im Fall der SSRI mit Nebenwirkungen verbunden.

Als „dritter“ Weg wird derzeit die transkranielle Magnetstimulation (TMS) untersucht. Sie basiert auf einem neurobiologischen Modell, nach dem Zwangsstörungen durch eine „Imbalance“ in neurologischen Schaltkreisen sind, die mit starken Magnetfeldern von außen beeinflusst werden können. Die Therapie hat gegenüber einer tiefen Hirnstimulation, die sich bereits in klinischen Studien als wirksam erwiesen hat, den Vorteil, dass die Behandlung non-invasiv ist und deshalb nicht mit den Risiken eines chirurgischen Eingriffs behaftet ist.

Das Unternehmen BrainsWay mit Sitz in Jerusalem hat sich auf die Entwicklung von Geräten für die TMS spezialisiert. Für die Behandlung der Major-Depression hat der Hersteller aus Israel bereits 2008 in den USA eine Zulassung erhalten. Seit 2013 dürfen auch Patienten mit bestimmen Formen der Migräne behandelt werden.

Der „H1-coil“, der den lateralen präfrontalen Cortex direkt unterhalb der Schädeldecke stimuliert, kann jedoch zur Behandlung von Zwangsstörungen nicht verwendet werden. Für die neue Indikation wurde der „H7-coil“ entwickelt, der die Neuronen des anterioren cingulären Cortex erreicht, einer tieferen Hirnregion im Frontallappen der Großhirnrinde.

Die Wirksamkeit wurde in den letzten Jahren in einer randomisierten kontrollierten Studie untersucht, an der an 12 Zentren in Nordamerika und Israel 100 Patienten mit Zwangsstörungen teilnahmen.

Bei den Patienten im Alter zwischen 22 und 68 Jahren war eine Zwangsstörung nach den Kriterien des DSM-IV-TR diagnostiziert worden mit mindestens 20 Punkten auf der Yale-Brown Obsessive Compulsive Scale (Y-BOCS), die die Symptome mit maximal 40 Punkten bewertet.

Die Patienten setzten ihre frühere Therapie (Medikamente, Psychotherapie) fort und führten zusätzlich eine Behandlung mit der „deep“ TMS durch. Die Anwendungen erfolgten zunächst 5-mal, später 4-mal pro Woche über 6 Wochen mit insgesamt 29 Sitzungen. Die Geräte erzeugten jedoch nur bei 49 Patienten ein Magnetfeld. Die anderen 51 Patienten erhielten eine Scheinbehandlung, ohne dies zu wissen.

Endpunkt der Studie war der Y-BOCS nach 6 Wochen, wobei ein Rückgang um mindestens 30 % als Therapieantwort eingestuft wurde. Die Ergebnisse der Studie wurden bisher nicht publiziert. Nach Angaben des Herstellers und der FDA erzielte die „deep“ TMS bei 38 % der Patienten eine Therapieantwort gegenüber 11 % nach der Scheinbehandlung, was ein signifikanter und klinisch relevanter Vorteil war, der jetzt zur Zulassung in den USA führte.

Die häufigste Nebenwirkung der Behandlung besteht laut FDA in Kopfschmerzen, die von 37,5 % der Patienten berichtet wurden, die die TMS durchführten gegenüber 35,3 % in der Kontrollgruppe. Schwerwiegende Komplikationen wurden in der Studie nicht beobachtet. Andere Nebenwirkungen wie Schmerzen oder Beschwerden an der Applikationsstelle, Kieferschmerzen, Gesichtsschmerzen, Muskelschmerzen, Krämpfe oder Zuckungen und Nackenschmerzen waren laut FDA leicht oder mittelschwer. Sie verschwanden kurz nach der Behandlung.

Die Behandlung ist kontraindiziert bei Patienten mit metallischen Objekten im oder in der Nähe des Kopfes. Dazu gehören implantierte Stimulationsgeräte, Cochlea-Implantate, Tiefenhirnstimulatoren, Vagusnervstimulatoren, aber auch Clips oder Coils, die zur Behandlung von Aneurysmen chirurgisch implantiert oder endoskopische platziert werden, oder Stents zur Dilatation von Hirngefäßen. Die Patienten dürfen bei der Behandlung auch keinen Schmuck oder Haarspangen aus Metall tragen. Während der Behandlung muss der Patient Ohrstöpsel verwenden, um sich vor den lauten Geräuschen des Geräts zu schützen.