Wie mensch über Transgender spricht – ohne Fettnapf!

Über das Thema Trans* zu sprechen ist gar nicht so einfach. Es gibt nämlich extrem viele verwirrende Begriffe und Formulierungen – und auch jede Menge Fettnäpfchen. Aussagen wie „im falschen Körper geboren“, „war früher ein Mädchen“ oder „würde gerne eine Frau sein“ sind problematisch. Außerdem gibt es Streit über die richtige Wortwahl: Sagt man jetzt transsexuell oder transgender oder transident oder vielleicht doch lieber trans*? Eine eindeutige Antwort darauf gibt es nicht. Wir haben trotzdem versucht die wichtigsten Trans*-Begriffe zu definieren und zu erklären, warum bestimmte Formulierungen nicht unbedingt gut ankommen. Eure bisherigen Vorschläge zur Ergänzung sind in die unten stehende Liste eingeflossen. Wenn ihr weitere Anmerkungen oder Verbesserungsvorschläge habt, immer her damit!

Transgender

Als Transgender bezeichnet man Personen, die sich nicht – oder nicht nur – mit dem Geschlecht identifizieren, das ihnen bei der Geburt zugewiesen wurde. Transgender wird inzwischen auch teilweise als Oberbegriff verstanden, der zum Beispiel auch Menschen einschließt, die sich weder mit dem Geschlecht Mann noch mit dem Geschlecht Frau identifizieren. Das Wort „trans“ kommt aus dem Lateinischen und heißt soviel wie „hinüber“ oder „jenseitig“, der Begriff „gender“ bezieht sich auf das (soziale) Geschlecht. Einige transgeschlechtliche Personen lehnen das Wort wegen der Betonung der sozialen Komponente ab.

Transsexualität

Transsexualität ist der in Deutschland rechtlich korrekte Begriff für Transgeschlechtlichkeit. Eingeführt hat ihn der Sexualforscher Hirschfeld – und das schon 1923. Das Wort „Sexualität“ bezieht sich in diesem Fall auf das körperliche Geschlecht (von lateinisch „sexus“). Der Begriff wird heute von einigen Menschen abgelehnt, weil die Endung „-sexualität“ die körperliche Komponente im Gegensatz zur sozialen („gender“) betont und so klingt, als hätte Transsexualität etwas mit sexueller Orientierung zu tun, was nicht der Fall ist. Andere Leute bezeichnen sich bewusst als transsexuell, weil sie der Meinung sind, dass es sich bei Transsexualität um eine körperliche und nicht um eine soziale Angelegenheit handelt und grenzen sich demensprechend vom Begriff „Transgender“ ab.

Transidentität

Transidentität betont, dass es bei der Sache um die Identifikation mit dem anderen Geschlecht – und nicht um die Sexualität geht. Das Adjektiv „transident“ wird in Deutschland heute häufig als Synonym für „transsexuell“ verwendet. Allerdings ist auch dieser Begriff umstritten. Erstens weil er suggeriert, dass der Körper komplett unwichtig wäre, zweitens weil Identität danach klingt, als ob man es sich ausgesucht hätte, transident zu sein.

Trans*

Da es um die oben genannten Begriffe diverse Diskussionen gibt, wird in Deutschland inzwischen immer häufiger der Begriff „Trans*“ („Trans-Sternchen“) verwendet. Er ist der Versuch einen nicht wertenden und nicht kategorisierenden Oberbegriff für das gesamte Trans*-Spektrum zu finden.

Transvestit

„Transvestismus“ ist ein sehr alter Begriff, den der Sexualforscher Magnus Hirschfeld schon 1910 eingeführt hat. Damals meinte er damit Menschen, die sich entgegen ihres bei der Geburt zugewiesenen Geschlechts kleiden – „vestire“ kommt aus dem Lateinischen und bedeutet „tragen“. Heute sagt man dazu eher „Cross-dressing“, denn im allgemeinen Wortgebrauch wird unter Transvestismus häufig eine sexuell motivierte Aktion verstanden – und Transgeschlechtlichkeit ist unabhängig von der Sexualität.

Transgeschlechtlichkeit

Andere Menschen verwenden den Begriff „Transgeschlechtlichkeit“ als Oberbezeichnung. Er beinhaltet sowohl die körperliche Komponente (transsexuell) als auch die soziale (transgender).

Androgynie

Eine Person, die äußerlich sowohl weibliche als auch männliche Merkmale (können auch Kleidung oder Gestik sein) hat, sodass sie nicht eindeutig einem Geschlecht zugeordnet werden kann. Dass eine Person androgyn ist, muss nichts über ihre Identifikation mit einem Geschlecht aussagen.

Transfrau

Eine Person, die sich als Frau identifiziert, obwohl ihr bei der Geburt das männliche Geschlecht zugeordnet wurde.

Transmann

Eine Person, die sich als Mann identifiziert, obwohl ihr bei der Geburt das weibliche Geschlecht zugeordnet wurde.

Cisgender

Der Gegensatz zu „trans“ (lateinisch: jenseitig) ist „cis“, was auf deutsch „diesseitig“ bedeutet. „Cisgender“ ist die Bezeichnung für Menschen, die sich mit dem ihnen zugewiesenen Geschlecht identifizieren.

Cisfrau

Eine Person, der bei der Geburt das weibliche Geschlecht zugeordnet wurde und die sich damit identifiziert.

Cismann

Ein Cismann wurde bei der Geburt als Mann eingeordnet und identifiziert sich damit.

Transphobie

Die Ablehnung von Trans-Menschen – oft verbunden mit Diskriminierung und Gewalt gegen Trans-Menschen.

LGBT

LGBT ist die Abkürzung für „Lesbian, Gay, Bisexual and Transgender“ und steht für die Community von Lesben, Schwulen, Bisexuellen und Transgendern.

Problematische Formulierungen

„war früher ein Junge“: Viele Trans-Männer würden wohl eher von sich sagen, dass sie früher auch schon Jungs waren – und Trans-Frauen eben Mädchen. Besser (falls es zutrifft): „Wurde als Junge großgezogen.“

„wurde als Mädchen geboren“: Das gleiche Spiel: Nur, weil eine Person bei der Geburt als Mädchen einkategorisiert wird, muss sie noch lange kein Mädchen SEIN.

„möchte gern eine Frau sein“: Das deutet an, dass man sich ganz einfach für eine geschlechtliche Identität entscheiden kann. Transgender fühlen sich aber genauso als Mann oder eben Frau wie Cisgender.

„im falschen Körper geboren“: Das ist die landläufige Phrase, um Transgender knackig zu beschreiben. Allerdings lehnen nicht alle Transgender ihre Körper ab und wenn dann häufig nur Teile davon, wie zum Beispiel die Geschlechtsmerkmale. Zu dem Thema gab es kürzlich auch eine Twitter-Debatte. Tenor: Die Vorstellungen der Gesellschaft sind falsch, nicht der Körper.

„er“/“sie“: Eigentlich ganz einfach: Man wählt immer das Pronomen für eine Person, das sie auch selbst für sich nutzt. Auch wenn es früher vielleicht mal ein anderes war. Und ja, auch wenn man über die Vergangenheit spricht. Wenn auch der geringste Zweifel besteht, wie man eine Person ansprechen soll, am besten fragen. Die allermeisten Trans*-Menschen werden sehr viel lieber diese Frage beantworten, als ein weiteres Gespräch zu führen, in dem sie mit dem falschen Pronomen angesprochen werden.

Regierung startet Regenbogenportal

Die Bundesregierung hat heute ein Wissensnetz zu gleichgeschlechtlichen Lebensweisen und geschlechtlicher Vielfalt gelauncht.

Es bietet kompakte und leicht verständliche Texte und Videos zu vielen Fragen und Lebensbereichen. Für lesbische, schwule, bisexuelle, queere, trans- und intergeschlechtliche Menschen, Fachkräfte, Familienangehörige und Freund_innen.

https://www.regenbogenportal.de/

Krankenkasse muss Barthaarentfernung bei Transsexueller bezahlen

Wenn eine Transsexuelle ihre Barthaare bei einer Kosmetikerin entfernen lässt, muss die Krankenkasse die Kosten dafür übernehmen. Das geht aus einem heute veröffentlichten Urteil des Sozialgerichts Hannover hervor (Az.: S 86 KR 384/18). Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Zugrunde lag das Verfahren einer 1972 als Mann geborenen Frau aus Hannover, der 2015 von einem Arzt Transsexualität bescheinigt worden war. Die Krankenkasse hatte ihren Antrag auf Kostenübernahme abgelehnt und geltend gemacht, dass die Frau einen Vertragsarzt in Anspruch nehmen müsse.

Starker Bartwuchs habe der Klägerin in der Bewältigung der neuen Rolle Schwierig­keiten bereitet, teilte das Gericht hingegen mit. Eine Nadelepilationsbehandlung durch einen Hautarzt habe zu einem deutlich verschlechterten entzündlichen Hautbild geführt. Dagegen habe das Entfernen der Barthaare bei einer Elektrologistin – also einer Kosmetikerin mit entsprechender Ausbildung – keine entzündlichen Hautreaktionen mit sich gebracht.

Das Sozialgericht Hannover folgte der Rechtsprechung des Bundessozialgerichts, wonach transsexuelle Versicherte Anspruch auf geschlechtsangleichende Behandlungen zur Minderung ihres psychischen Leidensdrucks haben. Der Hautarzt hatte der Frau den ausgeprägten Bartwuchs im Gesicht bescheinigt. 

Barthaare

Sexuelle Identität: Neuer Name stärkt psychische Gesundheit

Viele Jugendliche, die von der allgemeinen Geschlechternorm abweichen, bevorzugen es, mit einem von ihnen ausgewählten Namen angesprochen zu werden. Für ihre psychische Gesundheit ist es von Vorteil, wenn dieser neue Name in möglichst vielen Situationen genutzt wird – das Risiko für Depressionen und Selbstmord sinkt, wie Forscher der University of Texas in einer Studie mit fast 130 Jugendlichen imJournal of Adolescent Health berichten (2018; doi: 10.1016/j.jadohealth.2018.02.003).

Die Studienautoren haben Jugendliche zwischen 15 und 21 Jahren befragt, die transgender, queer, bi- oder homosexuell waren (LGBT = Lesbian, Gay, Bisexual und Transgender). Etwa die Hälfte hatte sich für einen neuen Namen entschieden. Die Befragung offenbarte, dass es dabei entscheidend war, ob sie ihren gewählten Namen in der Schule (n = 57), zu Hause (n = 54), bei der Arbeit (n = 50) oder mit Freunden (n = 69) verwenden konnten. Verglichen mit Gleichaltrigen, die ihren gewählten Namen in keinem Zusammenhang verwenden konnten, erlebten Jugendliche, die ihren Namen in allen vier Bereichen verwenden konnten, 71 % weniger Symptome einer schweren Depression, sie hatten weniger Selbstmordgedanken (34 %) und 65 % weniger Selbstmordversuche.

Institutionen wie Schulen, Krankenhäuser, Finanzinstitute, Arbeitsstätten und Gemeindeorganisationen könnten diese jungen Menschen unterstützen, ihre Geschlechtsidentität zu bestätigen, indem sie die bevorzugten Namen verwenden, schlussfolgert daher Autor Stephen T. Russell, Professor für kindliche Entwicklung.

In einer früheren repräsentativen Studie mit mehr als 560.000 Jugendlichen hatte er herausgefunden, dass LGBT-Jugendliche (etwa 8.000) doppelt so oft Selbstmord­gedanken haben wie gleichaltrige Nicht-LGBT-Jugendliche (33,73 % versus 18,85 %, Child and adolescent Psychiatry 2017). Etwa 1 von 3 LGBT-Jugendlichen berichtete über Selbstmordgedanken.

In der neuen Studie konnten Russel und seine Kollegen zeigen, dass schon der Gebrauch des selbst gewählten Namen in einem der 4 abgefragten Kontexte mit einem Rückgang der Selbstmordgedanken um 29 % verbunden war. Bei den Ergebnissen wurden Einflussfaktoren wie persönliche Eigenschaften und soziale Unterstützung berücksichtigt. Diese deutliche Verbindung überraschte selbst Russell, der bereits seit 20 Jahren auf dem Gebiet forscht.

Namensänderung in Deutschland

In Deutschland können Menschen mit transsexueller Prägung ihren Vornamen und rechtlichen Geschlechtseintrag anpassen. Das Gesetz trat 1981 unter dem Titel „Gesetz über die Änderung der Vornamen und die Feststellung der Geschlechtszugehörigkeit in besonderen Fällen“ in Kraft. Der neue Vorname und der rechtliche Geschlechtseintrag werden in der Geburtsurkunde und allen anderen Papieren eingetragen. Die alten Daten dürfen weder ausgeforscht noch müssen sie preisgegeben werden (§ 5 und §10 TSG).

Eine Hürde enthält das Gesetz jedoch. Transsexuelle müssen nachweisen, seit mindes­tens 3 Jahren im Gegengeschlecht identifizierbar zu sein. Die Grünen wollten dies korrigieren und einen Gesetzesentwurf vorlegen. Im Juni 2017 legte der Bundesrat einen Beschluss vor, in dem die Bundesregierung unter anderem aufgefordert wird, die teure und unnötige Begutachtungspflicht vor einer Vornamens- beziehungsweise Personenstandsänderung sofort abzuschaffen und durch ein Verwaltungsverfahren zur Anerkennung der Geschlechtsidentität zu ersetzen.